Wie so häufig in diesem Jahr, ist ausgerechnet am Wochenende kein optimales Bergwetter. Seit mehreren Tagen beobachte ich das Wettergeschehen und bin mir nicht sicher, ob der Samstag oder der Sonntag die bessere Wahl für unsere Tour zur Alpspitze ist.
Die Unwetterwarnung für den Samstag hat mir die Entscheidung abgenommen und so starten wir, meine Arbeitskollegen Katrin, Radu und ich um 4:30 Uhr von Holzgeringen.
Die Straßen sind frei und wir kommen zügig voran. Bereits am Allgäuer Tor sind die ersten Wolken im Alpenvorland zu sehen, die uns aber nicht beunruhigen. Der Wetterbericht hat für heute keine weiteren Niederschläge vorhergesagt. Kurz nach sieben Uhr sitzen wir in Garmisch-Patenkirchen in einer netten Bäckerei beim Frühstück und schauen sehnsüchtig in die Richtung der Alpspitze, die sich in den Wolken versteckt. Ob wir die Alpspitze heute noch ohne Wolken zu Gesicht bekommen, bleibt fraglich.
Um 7:30 stehen wir auf dem Parkplatz an der Osterfelder Bahn und warten auf meinen Freund Thomas, mit dem ich mich hier verabredet habe. Eigentlich hatten wir 8:30 Uhr ausgemacht, aber er kommt grade noch rechtzeitig damit wir mit der ersten Gondel um 8:00 zum Osterfelderkopf hinauffahren können.

Die Berge sind in Wolken eingehüllt und so verwundert es nicht, dass es heute Morgen nur wenige Bergsteiger den Drang verspüren hier her zu kommen. Mir soll es recht sein, für den Klettersteig ist das Wetter gut genug und so müssen wir schon keine Wartezeiten in Kauf nehmen.



Nachdem wir den Großteil der Strecke zwischen Tal und Gipfel mit der Alpspitzbahn überwunden haben, müssen wir vom Osterfelderkopf lediglich noch 600 Höhenmeter bewältigen. Der Anstieg beginnt mit einer fast ebenen Querung bis zu einer Wegverzweigung: der linke Weg führt zum Nordwandsteig, der rechte zur Ferrata.



Der Eisenweg ist, in Bezug auf Materialverbrauch, ein Superlativ. Fast scheint es, als hätten die Erbauer das Drahtseil der Seilbahn auf den Osterfelderkopf, dem Startpunkt zur Tour, nahtlos weitergeführt bis auf die Alpspitze. Fast durchgehend führt das Seil durch die Nordwand. Der Steig ist perfekt abgesichert mit Drahtseilen, Stiften, Klammern und Leiter. Bei meinen unzähligen Winterbegehungen des Jubiläumsgrats habe ich beim Abstieg von der Alpspitze die meist spärlich aus dem Schnee herausschauenden Stahlseile durchaus schon schätzen gelernt. Jetzt im Sommer ist der Klettersteig mit der Schwierigkeitsbewertung „wenig schwierig (A)“ eine Möglichkeit ohne allzulange Anfahrtswege eine Trainingseinheit zu absolvieren und dem Büroalltag zu entfliehen.



Wir genießen den Aufstieg und sind viel zu früh unter dem abweisenden Gipfelaufbau, wo der Steig kurz auf die Westseite der Alpspitze ausweicht. Nach knapp eineinhalb Stunden stehen wie auf dem 2628 Meter hohen Gipfel. Von den sonst so vorzüglichen Aussichtsgipfeln ist heute nichts zu sehen, wir befinden uns in den Wolken.



Es ist ungemütlich kalt und so steigen wir nach einer kurzen Rast über die Ostflanke und den Nordwandsteig, zur Seilbahnstation auf dem Osterfelderkopf. Der mit Schutt bedeckten Ostflanke kann ich nichts Schönes abgewinnen, aber der Nordwandsteig mit seinen Stollen ist durchaus eine interessante Variante zur Ferrata.



In unmittelbarer Nähe der Bergstation befindet sich seit kurzem die "Alpspix"-Plattform. Wir begutachten das rund 250 000 Euro teure Projekt. Offensichtlich will das Bergbahn-Unternehmen die touristische Attraktivität des Wandergebiets unterhalb der Alpspitze mit dieser Aussichtsplattform steigern. Die Aussichtsplattform, die aus zwei sich überkreuzenden Stahl-Stegen besteht und acht Meter freischwebend über den fast 1000 Meter tiefen Abgrund hinausragt, hatte im Vorfeld für heftige Proteste gesorgt. Der Tiefblick kann für die Besucher durchaus ein Highlight darstellen. Ob diese Plattform in dem bereits stark erschlossenen Bereich die Natur zusätzlich verschandelt bzw. mit der Natur im Einklang ist, muss jeder für sich selbst entscheiden.
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