Pitztal
Vorbereitung für die Montblanc-Besteigung
1./3. Juli 2005
Zur Vorbereitung für den Montblanc fand ein Ausbildungswochenende im Pitztal auf dem Taschachhaus statt.
Die Ziele dieses Wochenendes waren:
Auffrischung der Technik im Eis.
Verbesserung des persönlichen Könnens.
Selbsteinschätzung im Bezug auf Können und Kondition.
Eine Tour mit allen Anforderungen, die am Montblanc auf dem Normalweg auftreten können.
Freitag 1. Juli 2005
Anreise und Ausbildung
Pünktlich um 3:30 Uhr hat der Regen eine Pause eingelegt und wir starteten von Herrenberg aus in Richtung Pitztal. Im Allgäu stauten sich die Wolken am Alpenrand und Dauerregen ist angesagt. Wir trösten uns, dass es ja nur noch besser werden kann.
Im Pitzal lässt dann der Regen auch etwas nach, aber wir müssen doch mit der Regenbekleidung zum Taschauchhaus aufsteigen. Auf der Hütte bekommen wir unsere Betten zugeteilt und essen noch einen Apfelstrudel (ein Geheimtipp).


Am Nachmittag sind wir im Eisbruch und führen den Auffrischungskurs im Eis durch. Zum krönenden Abschluss schließt sich dann das Sturztraining auf einem steilen Schneefeld an.


Trotz ernstem Inhalt ist das immer ein Ausbildungsziel und etwas zum Schmunzeln. Der eine oder andere Lachanfall lässt sich nicht vermeiden bzw. unterdrücken.

Nach dem umfangreichen Abendessen sind dann die Strapazen des Tages und das schlechte Wetter schnell wieder vergessen.
Samstag 2. Juli 2005
Tour bei sehr schlechtem Wetter
Wir starten um 6:00 Uhr von der Hütte aus mit dem Ziel, auf die Wildspitze 3770 m zu steigen. Ab dem Mittag ist gutes Wetter vorhergesagt, sodass uns die tiefen Wolken am Morgen nicht beunruhigen. Über den Taschachgletscher geht es bis zum Fuß des Gamsköpfle.
Hier beginnt bereits die erste Herausforderung mit dem Aufstieg über verschneite und vereiste Felsplatten bis hinauf zum Gamsköpfle. In Seilschaften steigen wir nun unterhalb der Taschachwand und der Petersen Nordwand zum Taschach-Hoch-Joch.


Bereits unterhalb der Petersen Nordwand beträgt die Sicht zum Teil keine 10 m mehr und ein Orientieren ist fast unmöglich. Hätte ich diesen Aufstieg nicht schon zig Mal gemacht, wäre ich auf der Stelle umgedreht. Oberhalb des Taschach-Hoch-Jochs schließt sich der Grat zur Petersen Spitze an, der bei Schneefall und sehr starkem Wind mit nahezu null Sicht wirklich kein Spaß mehr ist.
Wir erreichen die Petersen Spitze und gehen noch ein Stück in Richtung Brochkogel. Wir müssten nun den Grat verlassen und eine Orientierung wäre dann unmöglich. Somit kann es nur eine richtige Entscheidung geben: Wir brechen die Tour ab und folgen der Aufstiegsspur zurück zur Hütte. Gegen Mittag kommen wir dort an und der Nachmittag zeigt uns, dass der Abbruch der Tour, die einzig richtige Entscheidung war, da es bis zum Abend keine Wetterbesserung gibt.
Sonntag 3. Juli 2005
Traumwetter und Gipfelerfolg
Heute Morgen ist das Wetter sehr gut und wir können die gestern beschlossene Tour zur Bliggspitze antreten. Zuerst folgen wir dem Bach und biegen dann zum vorderen Ölgrubenferner ab. Vor einigen Jahren konnte man diesen Gletscher tatsächlich noch vorfinden. Jetzt sind nur noch wenige Schneefelder vorhanden.
Zur Bliggscharte zieht es noch mal kurz auf einem steilen Schneefeld nach oben. Hier machen wir unsere Frühstückspause und legen unsere Kletterausrüstung und Steigeisen an. Die Schneerinne, welche zum Gipfelaufbau hinaufzieht, hat sich in den letzten Jahren drastisch verändert. Sehr geringe Schneeauflage und lose Steine fordern die volle Konzentration aller Teilnehmer.
Sowohl ausgleiten auf dem harten Schnee als auch lostreten von Steinen können die nachfolgenden Teilnehmer gefährden. Aus diesem Grund halte ich beim Aufstieg schon nach einem geeigneten Sicherungsplatz Ausschau, damit die Teilnehmer sicher an einem Seil abklettern können.

Die letzten Meter zum Gipfel müssen nun im losen Gestein hinaufgeklettert werden und stellen für die Teilnehmer eine Herausforderung dar. Schlussendlich stehen wir alle gemeinsam am Gipfel und können die exzellente Aussicht genießen. Von hier können wir auch den gestrigen Aufstieg zur Petersenspitze nachvollziehen und den doch noch sehr weiten Weg zur Wildspitze, sowie die großen Gletscherspalten auf der Abstiegsspur zum Mittelbergjoch erkennen. Von hier aus steigen wir hinab zum Taschachhaus, wo wir das Mittagessen zu uns nehmen.

Nachdem wir alle unsere Habseligkeiten in unsere Rucksäcke verstaut haben, geht es hinab nach Mittelberg, wo unsere Fahrzeuge stehen. Bei der Heimreise lassen wir die Ausbildung nochmals Revue passieren und sind der Meinung, dass unter den gegebenen Bedingungen all die Dinge vermittelt wurden, die uns auch am Montblanc erwarten können.
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