Manaslu Tagebuch Teil 4
10. Mai 2002
Gipfeltag
Um 24:00 Uhr stehe ich in voller Montur vor dem Zelt und warte darauf, dass der Rest der Teilnehmer aus den Zelten kommt. Es ist kalt und es macht keinen Spaß vor dem Zelt zu warten. Nach und nach erscheinen alle Expeditionsmitglieder und wir verlassen um 0:30 Uhr das Lager. Auf den ersten Metern bläst uns bereits ein eiskalter Wind entgegen.
Die Markierungsfähnchen sind jetzt sehr hilfreich um den Weg zu finden, aber nach kurzer Zeit stehen wir vor einem Band aus blankem Eis. Vergeblich versuchen wir einen Durchschlupf auf der rechten Seite zu finden, dann schwenken wir in einem weiten Bogen links und können hier nach langer Suche den entscheidenden Durchlass finden. Es hat den Anschein, dass wir nun das große Plateau erreicht haben. Bei der Dunkelheit ist das aber sehr schwer auszumachen. Zumindest geht es jetzt nicht mehr ganz so steil nach oben. Immer wieder machen wir eine Pause damit die hinteren Teilnehmer aufschließen können. Die Zahl der noch aufsteigenden Bergsteiger hat sich in der Zwischenzeit leider schon reduziert. Es erreicht uns die Nachricht, dass der Rest umgedreht hat. Die Gründe wissen wir nicht. Ist die Höhe oder die große Kälte Schuld? Nach und nach wird es heller und wir können den Gipfelaufbau in den Umrissen erkennen. Bis dort hin ist es allerdings noch ein sehr weiter Weg. Der Aufstieg wird jetzt immer steiler und auch der Wind nimmt mit zunehmender Höhe an Stärke zu. Das Resultat ist, dass wir immer langsamer werden. An Essen und Trinken ist wegen der Gefahr von Erfrierungen an den Fingern auch nicht möglich. Aus dem gleichen Grund traue ich mich auch nach dem Sonnenaufgang nicht zu fotografieren. Ich denke nur darüber nach , wie ich ohne einen Schaden zum Gipfel hinauf und wieder herunter komme. Endlich geht die Sonne auf und es wird nun ein wenig wärmer. Was heißt hier wärmer? Die Temperatur ist seit dem Start vom Lager III zwischen -30°C bis -40°C kalt und der starke Wind kühlt uns noch weiter aus. Sehnsüchtig erwarten wir den Sonnenaufgang und hoffen auf ansteigende Temperaturen. Endlich hat die Sonne uns erreicht und wir sind nun unterhalb dem steilen Felsaufbau des Gipfels.


Schritt um Schritt mühen wir uns nach oben und stehen dann vor dem Gipfelaufbau, der von Wolkenfetzen umtost wird. Ein ausgesetzter Firngrat der von Felsen unterbrochen wird mündet zum Gipfel.

Hurra, es ist Geschafft! Zwischen 7:00 Uhr und 8:30 Uhr erreichen 8 Teilnehmer und 2 Sherpas den Gipfel.
Schnell mache ich noch ein paar Bilder vom Gipfel. Gerade jetzt ist auch noch der Film voll und ich muss umständlich einen neuen Film einlegen. Ohne Handschuhe ist das bei dieser Kälte kein leichtes Unterfangen. Nach zehn Bildern wird der Film nicht mehr weiter transportiert und es sieht so aus, als ob Eis in der Filmpatrone einen Transport unmöglich macht. Also, das gleiche Spiel nochmals mit dem Filmwechsel. Nach 30 Minuten Aufenthalt beginne ich mit dem Abstieg. Nachdem ich 50 m abgestiegen bin, wird die Sicht so schlecht, dass ich mich zur Umkehr entscheide. So steige ich nochmals hinauf, bis ich auf den Rest der Gruppe stoße, damit ich mich auf keinen Fall von ihnen trenne. Augenblicklich fällt mir wieder die Situation am Nanga Parbat ein. Dort hat sich die Gruppe beim Abstieg getrennt. Für mich hatte das ein bitterkaltes Biwak in 7800 m Höhe zu Folge und das wollte ich auf gar keine Fall riskieren. Nachdem ich wieder bei der Gruppe angelangt bin, beginnen wir gemeinsam den Abstieg. Jetzt folgt der lange Abstieg, welcher volle Konzentration erfordert. Als wir an die Stelle kommen, die uns in der Nacht so viel Kopfzerbrechen bereitet hat, ist plötzlich ein lauter Aufschrei hinter mir zu vernehmen. Was ist passiert? Ich erkenne wie etwas angeflogen kommt. Zuerst denke ich, dass jemand der Rucksack entglitten ist, und setze meinen Abstieg fort. Ich komme an eine weitere Steilstufe und muss dort erst eine geeignete Stelle für den Abstieg finden. Ich muss jetzt warten, bis die Sicht so gut ist, dass ich das ganze Gelände überblicken kann. Von oben kommt mir ein Tross mit mehreren Personen langsam entgegen. Erst jetzt erkenne ich, dass doch etwas passiert sein muss. Alois ist mit den Steigeisen auf einer Eisplatte ausgerutscht und gut 200 m heruntergefallen. Welche Verletzungen er genau hat mag im Moment niemand zu sagen. Gemeinsam bringen wir ihn ins Lager III, wo wir gegen 14:00 Uhr eintreffen. Ein paar Teilnehmer wollen morgen nochmals ihr Gipfelglück versuchen und bleiben aus diesem Grund im letzten Lager. Anton und ich sind zu müde für den langen Weg bis zum Lager II und entscheiden uns für den morgigen Abstieg.
Gegen Abend hat sich der Wind zum Sturm gesteigert und an schlafen ist in dieser Nacht nicht mehr zu denken. Ich hasste mich selbst, für die Entscheidung, nochmals eine Nacht in diesem Lager zu bleiben. Diejenigen, die zum Lager II abgestiegen sind, erreichen das Camp gegen 21:00 Uhr mit großen Problemen bei der Wegefindung in der zwischenzeitlich eingekehrten Dunkelheit.
Die Nacht im Lager III war einfach schrecklich und mehrmals war ich kurz davor, mich anzuziehen, damit ich gewappnet bin falls der Sturm das Zelt zerstören würde. Gott sei Dank hat das Zelt diese Nacht ohne Schaden überstanden.
11. Mai 2002
Der Berg gehört dir erst, wenn du wieder unten bist
Nachdem die ersten Sonnenstrahlen das Zelt erreichen, packen wir unsere Ausrüstung zusammen.Der Wind ist auch am Morgen kaum schwächer geworden und so ist es äußerst schwierig die Zelte abzubauen. Mit vereinten Kräften gelingt uns das aber doch, ohne dass uns ein Ausrüstungsgegenstand wegfliegt.

Beim Verlassen des Lagerplatzes vergewissern wir uns nochmals davon, dass kein Müll zurückbleibt. Jetzt liegt ein langer, anstrengender und kniffliger Abstieg ins Tal vor uns. Ein letzter Blick hinauf zum Gipfel und dann beginnen wir mit dem Abstieg. Mit prall gefüllten Rucksäcken müssen wir gleich zu Anfang eine Querung mit blankem Eis meistern bevor wir zu den Fixseilen gelangen. Die letzte Nacht hat mich viel Kraft gekostet, und so schleiche ich die ersten Meter, nur so vor mich hin. Als ich bei den Fixseilen bin, ist wieder Leben in meine müden Glieder gekommen und es geht wieder mit gewohnter Sicherheit voran. Selbst mit den vorhandenen Fixseilen ist der Abstieg sehr heikel und erfordert äußerste Konzentration. Kaum habe ich mich die ersten Seillängen abgeseilt, entgleitet mir auch noch der Abseilachter und entschwindet mit einem hopp .. hopp ... hopp. Mit den dicken Handschuhen ist die Handhabung einfach sehr schwierig. Jetzt muss ich mich mit einem HMS Karabiner abseilen, welches mit Handschuhen noch schwieriger ist. Aber es muss irgendwie gehen .... Oberhalb des Col hören dann die Fixseile auf und die nur spärlich vorhandenen Fähnchen sind auch kaum zu sehen. Da die Sicht zwischenzeitlich erheblich schlechter geworden ist, angle ich mich von Fähnchen zu Fähnchen. Dann sind plötzlich gar keine Fähnchen mehr vorhanden und jetzt wird es so richtig schwierig. Vor mir ist niemand und so gehe ich nach Gefühl weiter. „Irgend wo hier, auf der rechten Seite, muss es ja zum Lager II hinunter gehen", sage ich innerlich zu mir und bin mir aber nicht sicher, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Dann sehe ich aber wieder Spuren und folge diesen, bis ich wieder zu dem Fixseil komme, welches bis zum Lager II hinunter führt. Glücklicherweise empfangen mich dort die Kollegen, die gestern abgestiegen sind, mit heißen Getränken. Ich trinke so viel ich kann und versuche mich etwas zu erholen.

Unsere Hochträger bauen jetzt die Zelte vom Lager II ab und jeder bekommt nochmals eine zusätzliche Last in den Rucksack. Nach dieser Ruhepause setzen wir den Abstieg zum Lager I fort. Im Eisbruch erwartet uns eine weitere Überraschung:
Eine riesige Eislawine ist über unsere Aufstiegsspur hinweggefegt und der Verlauf der Abstiegspur hat sich komplett geändert.Entkräftet schleppen wir uns zum Lager I. Der Weg will kein Ende nehmen und so sind wir sichtlich erleichtert, als wir geben 16:00 Uhr, im Lager I einen Tee trinken können.

Nach dieser Stärkung gilt es nur noch so schnell wie möglich ins Basislager. Nun ja, von schnell kann eigentlich nicht mehr die Rede sein, denn der Schnee ist am späten Nachmittag aufgeweicht. Bei jedem Schritt sinkt man bis zu 20 cm in den sulzigen Schnee hinein. Das hat mir gerade noch gefehlt! Aber auch dieses werden wir noch überstehen. Zwei Stunden später sitze ich im Basislager und trinke ein Bier und ich bin froh, dass ich alles ohne Schaden überstanden habe. Dass das nicht selbstverständlich ist, macht der Unfall von Alois sehr deutlich. Das hätte schlimm enden können. Zum Glück hat Alois „nur" eine Platzwunde an der Stirn sowie Schürfungen und Prellungen am ganzen Körper. Das heilt wieder, ob die Erfrierungen an den Fingern von vier Teilnehmern ohne Langzeitschäden bleiben kann unser Expeditionsarzt zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht mit Gewissheit sagen. Nach einem ausgiebigen Abendessen schlafe ich in der kommenden Nacht den Schlaf der Gerechten.
12. Mai 2002
Zurück im "normalen" Leben
Nur langsam und mühevoll krabbeln die Teilnehmer am Morgen aus ihren Zelten. Die angefrorenen Finger der Kollegen sehen gar nicht lustig aus und die Betroffenen klagen über starke Schmerzen.

Alle haben Probleme mit verbrannten Lippen und müssen ab sofort scharf gewürzte Speisen meiden. Der Expeditionsarzt kann sich heute über Arbeit nicht beklagen - hier ein Verband - dort ein Salbe. Die Sherpas bringen am Vormittag die verbliebene Ausrüstung von Lager I herunter und damit ist der Berg wieder abgeräumt.

Am Nachmittag beginnen die Vorbereitungsarbeiten für eine Gipfelparty. Die Köche der anderen Expedition sind in unserer Küche und richten das Essen her.


Alle, die sich im Basislager aufhalten sind zu dieser Party eingeladen. Nach und nach treffen die Bergsteiger am Abend zur Party ein. Aus Platzgründen müssen alle stehen, aber das gute und reichhaltige Essen sowie die unterschiedlichsten Getränke schmecken auch im Stehen.


Es wird viel gelacht und die Anstrengungen der letzten Tage sind zumindest für den heutigen Abend schnell vergessen. Bedingt durch die trockene und kalte Luft haben die meisten Bergsteiger einen Höhenhusten bekommen, der die Nachtruhe empfindlich stört.
13. Mai 2002
Ausrüstung überprüfen
In zwei Tagen wollen wir das Basislager verlassen, aber bis dahin gibt es noch jede Menge zu tun. Mehrere Teilnehmer beginnen nach dem Frühstück mit dem Sortieren und dem Trocknen der Ausrüstung aus den Hochlagern. Die überwiegende Mehrheit der Expeditionsgruppe ist jedoch mit dem Einebnen eines Hubschrauberlandeplatzes beschäftigt. Für was einen Landeplatz? Wir möchten das Expeditionsgepäck direkt von hier nach Kathmandu fliegen lassen. Dann können wir, mit nur leichtem Gepäck, unser Trekking über den Larkya La bis nach Besisahar durchführen. Ob der Hubschrauberflug aber termingerecht stattfinden kann ist nach dem heutigen Telefonat mit dem Flughafen in Kathmandu noch offen. In der Hauptstadt Kathmandu regnet es heute und ein Sichtflug ist zumindest derzeit nicht durchführbar.
14. Mai 2002
Vorbereitungen für die Abreise vom Basislager
Persönliche Ausrüstung zusammenpacken sowie der Abbau des Basislagers ist das heutige Motto. Ich stehe vor meinen Plastiktonnen und meinem Seesack und überlege mir wie ich da alles wieder Reinbekommen soll. Da ich einen Grossteil meiner Ausrüstung in Nepal lassen möchte, muss jeder Gegenstand der in die Tonne wandert und in einer Liste protokolliert wird. Zuhause hat man mit dem Zusammenstellen der Ausrüstung Tage verbracht, hier muss es aber innerhalb Stunden erledigt sein. Am Nachmittag kann ich dann das Zusammenpacken meiner Habseligkeiten abschließen. Ich bin heil froh, dass ich mich in den nächsten Tagen mit dem Trekking zurück nach Kathmandu beschäftigen kann und somit meiner Seele Zeit zum baumeln lassen kann.
15. Mai 2002
Rückkehr in die Zivilisation
Der Hubschrauber soll gegen 9:00 Uhr hier eintreffen. Ein Hubschraubergeräusch können wir jedoch nicht vernehmen. Ein Anruf in Kathmandu klärt dann die Situation. Es hat zu viele Wolken und ein Flug ist heute nicht möglich. Hier bei uns haben sich die dicken Wolken vom frühen Morgen in der Zwischenzeit verzogen und es scheint die Sonne.

Ralf schickt unseren Sirda ins Tal um aus Sama Träger für den Abtransport der Ausrüstung zu organisieren. Wir selbst steigen auch vormittags nach Sama ab.


Auf dem Weg ins Tal kommen wir an wunderschönen Blumen vorbei. Nach wochenlangem Aufenthalt im Schnee erfreut man sich an dem Grün der Bäume sowie den prächtigen Farben der Blumen.Eilig steigen wir hinunter nach Sama ab und lassen uns dort in der „Mount Manaslu Lodge" nieder.

Das Wetter ist zwar am Nachmittag wieder schlechter geworden aber unsere Stimmung steigt mit zunehmendem Bierkonsum.

16. Mai 2002
Warten auf den Hubschrauber
Am Morgen ziehen schon richtig dicke Wolken herauf und da ist für uns jetzt schon klar, dass wir nicht mehr mit dem Hubschrauber rechnen können. Wir besichtigen das Dorf am Vormittag. Der Verdienst der Einwohner durch die Expeditionen hat hier bereits für einen gewissen Wohlstand gesorgt. Wir haben auch eine großzügige Spende für die hiesige Schule gemacht. Nach Sama sind jedoch bis jetzt nur wenige Touristen gekommen und so hat das Dorf seinen ursprünglichen Charakter bewahren können. Am Nachmittag trifft die amerikanische Expedition unter der Leitung von Tom Fitzsimmons hier in der Lodge ein. Auch sie wollen ihren Erfolg mit Bier begießen, aber es ist nicht genügend Vorrat im Dorf vorhanden.

Die Sherpas der amerikanischen Expedition haben zwei Filme von mir am Gipfel des Manaslu gefunden und übergeben diese mir. Sie befanden sich in einer Tüte mit der Aufschrift meines Sponsors Hewlett-Packard und Ralf hat die Amerikaner gleich auf mich verwiesen. Es ist fast unvorstellbar und unglaublich, dass jemand Filme in über 8000 m findet, sie dann herunterbringt und der Eigentümer gefunden wird. Leider fehlt mir aber nach wie vor ein Film mit den Aufnahmen vom Gipfel. Beim wechseln eines Filmes am Gipfel müssen mir die Filme aus der Rucksackdeckelklappe gefallen sein. Alois wird wegen seinen Verletzungen nicht beim Trekking teilnehmen und wartet hier auf den Hubschrauber, der ihn direkt nach Kathmandu bringt.
17. Mai 2002
Das Trekking beginnt: Von Sama nach Dharamsala
Kaum haben wir Sama hinter uns gelassen, so laufe ich total entspannt, in einem wundschönen grünen Tal in Richtung Samdo, das in 3780 m Höhe angesiedelt ist.

Wir kommen an Sträuchern mit bezaubernden Blüten und weidenden Yaks vorbei.

Das ist Nepal wie man es sich wünscht. Samdo ist ein kleines Dorf in dem die Zeit stehen geblieben scheint. Zumindest gibt es eine kleine Schule und ein Kloster.


Hinter Samdo geht der Weg steil nach oben und von hier hat man einen tollen Ausblick auf den Manaslu. Vom Lager I bis zum Gipfel kann man die gesamte Aufstiegsroute einsehen und entsprechend oft wird auch der Auslöser der Kameras betätigt.

Am Nachmittag errichten wir unser Lager für die kommende Nacht, bei einer kleinen Alm in der Ansiedlung Dharamsala in 4460 m Höhe. Es ziehen jetzt dicke Wolken auf und am Abend regnet es. Hoffentlich haben wir am nächsten Tag gutes Wetter, damit wir am Larkya Pass etwas sehen können.
18. Mai 2002
Über den Larkya Pass nach Bimtang
In der Nacht hat es wieder zu regnen aufgehört, aber die Zelte müssen total nass verpackt werden.

Leider sind die hohen Berge alle in Wolken und so steigen wir hinauf zum Larkya Pass in 5200 m Höhe ohne die sicherlich beeindruckende Landschaft anschauen zu können.

Am Pass versammeln wir uns alle zu einem Gruppenbild, was ja am Gipfel des Manaslu nicht möglich gewesen ist.

Hinter dem Pass geht es dann im dichten Nebel sehr steil hinunter. Die Steine sind durch den leichten Niederschlag nass und man muss höllisch aufpassen, dass man nicht auf dem Hosenboden landet. Die heutige Etappe will kein Ende nehmen. Endlich taucht vor uns eine ebene Grünfläche mit ein paar Almhütten auf. Wir haben das heutige Ziel nach einem Abstieg von 5200 m auf 3600 m Höhe mit schmerzenden Füssen erreicht. Auf der Wiese vor den Almhütten stellen wir unsere nassen Zelte auf, in der Hoffnung, dass sie bis zum Abend noch trocknen. Aber weit gefehlt, es beginnt wieder zu regnen. Wenigstens gibt es in der Almhütte ein wärmendes Feuer um welches sich alle bis zur Nachtruhe versammeln.

19. Mai 2002
Durch den Regenwald nach Dharapani
Wieder mal die nassen Zelte zusammenpacken - eine Trekkingreise kann so schön sein! Aber unser Unmut ist nach einem kurzen Abstieg schnell verflogen, denn wir tauchen in einen Regenwald ein, dessen Schönheit kaum noch zu überbieten ist.


Mehrere Meter hoch sind die Rhododendren - Bäume inmitten der gewaltigen Urlandschaft. Im Nebel sieht der Wald gespenstisch aus und die teilweise durchdringenden Sonnenstrahlen tragen zu dieser eigenartigen Stimmung bei.

Alle paar Meter bleiben wir für eine Fotopause stehen, bis wir an die Alm Tsangling kommen. Der Wald wird nun immer lichter bis wir ihn komplett hinter uns lassen.

Nun führt unser Weg entlang des Flusses Dudh Khola und den größeren Ort Tillje. Die Temperaturen machen uns jetzt trotz kurzen Hosen und Sonnenhut zu schaffen und wir kaufen uns bei jeder möglichen Gelegenheit etwas zum Trinken.

Am Nachmittag erreichen wir dann die Ortschaft Dharapani, die nur noch 1900 m hoch gelegen ist. Hier übernachten wir im „Tibet Guest House" und haben die Gelegenheit zu duschen und in einem Bett zu schlafen. Nach wochenlangem Aufenthalt im Zelt ist ein Bett eine richtige Wohltat.
Manaslu Tagebuch Teil 5
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