Satopanth Tagebuch Teil 1
04.07.2004
Flug von München nach Delhi
Die Expeditionsteilnehmer fliegen von unterschiedlichen Flughäfen in Deutschland nach Wien wo wir dann einen Direktflug mir der Austria Areline nach Delhi haben.
Nachdem ich am 02. und 03.07.2004 an einer Sitzung des DAV Bundesausschuss Spitzenbergsport in München teilgenommen hatte, bin ich von München aus nach Wien geflogen. Der geplante Flug um 8:30 Uhr ist ausgefallen und so mussten wir mit der nächsten Maschine fliegen.
Den Anschlussflug in Wien erreichten wir jedoch problemlos und gegen 24:00 Uhr Ortszeit landen wir in Delhi. Durch den ausgefallenen Flug ab München ist ein Teil des Gepäckes von Christian (Expeditionsleiter) nicht angekommen. Bis die notwendigen Formalitäten erledigt sind ist es 2:00 Uhr morgens bis wir den Flughafen verlassen können. Eine Stunde später erreichen wir dann unser Hotel.
05.07.2004
Fahrt von Delhi nach Rishikesh
Die Nacht ist kurz, denn wir treffen uns bereits um 8:00 Uhr zum Frühstück. Um 10:30 Uhr fahre ich mit Christian zur IMC zum Breefing. Hier erfahren wir, dass die erste DAV Expeditionsgruppe am Satopanth nicht erfolgreich war. Die genauen Gründe dafür sind jedoch nicht bekannt. Um 15:00 Uhr sind wir und das Expeditionsteam startklar und wir begeben uns mit dem Bus auf den Weg nach Rishikesh. Nach zwei Stunden machen wir eine Pause um dann wieder bei sehr hohen Temperaturen die Fahrt fortzusetzen. Zum Glück besitzt der Bus eine Klimaanlage, so dass die Fahrt recht erträglich ist. Auf den Strassen sind viele Pilger unterwegs die bei Dunkelheit nur sehr schwer zu erkennen sind und somit das Unfallrisiko recht gross ist. Aber alles geht gut und wir erreichen unser Ziel Rishikesh geben 22:00 Uhr.
06.07.2004
Fahrt von Rishikesh nach Uttarkashi
Kurz nach neun Uhr verlassen wir Rishikesh und der Bus quält sich jetzt die kurvigen Bergstrassen empor. Hier wird offensichtlich, dass der Bus nach unseren Maßstäben total untermotorisiert ist. Mit zunehmendem Höhengewinn wird auch die Temperatur erträglicher. Jedoch müssen wir nun auf den Komfort einer Klimaanlage ganz verzichten, sonst hat der Bus keine Chance diese Steigungen zu überwinden. Gegen 15:00 Uhr legen wir eine Mittagspause ein um dann die Fahrt für weitere zwei Stunden fortzusetzen. Nach unserer Ankunft in Uttarkashi ziehen dicke Wolken auf und es regnet am Abend und in der Nacht. Das Hotel ist einfach aber schön. Hier besteht auch noch mal die Möglichkeit zu telefonieren. Was auch preislich durchaus mit 44 Rupis pro Minute als billig anzusehen ist.
07.07.2004
Theorietag in Uttarkashi
Am Morgen steht der Theorieblock Taktik-Medizin-Akklimatisation auf dem Programm. Hierfür hat der DAV einen umfangreichen Foliensatz zur Verfügung gestellt. Alle wesentlichen Punkte sind darin enthalten, allerdings wäre ein Unterrichtsblock mit der Theorie und der dazugehörigen Praxis bei uns in den Alpen sicher sinnvoller, da die angesprochenen Punkte bereits jetzt benötigt werden. Des Weiteren wären den Teilnehmern bereits vor Antritt der Reise die Zusammenhänge klar, was jetzt mit der Fülle der Informationen kaum noch möglich ist. Das umfangreiche Wissen, was bei einer Expedition alles wichtig ist, braucht viele Jahre an praktischer Erfahrung und kann nicht in ein paar wenigen Stunden Theorie vermittelt werden. Das ist zwar ein sehr guter Start, aber jeder muss für sich persönlich herausfinden wie er darauf reagiert und seinen persönlichen Stiel erarbeiten.
Am Nachmittag fahren wir nach Uttarkashi. Zuerst steht der Besuch der IMC auf dem Programm. Die hat hier ein Trainingszentrum mit Kletterhalle, Kletterturm und ein Ausrüstungsdepot. Im Alpinen Museum befinden sich noch jede Menge an Bildern von der Mount Everest Expedition 2001, wo die indische Mannschaft ihr Lager unweit von unserem hatte. Danach geht es auf den Bazar. Allerdings ist ein Teil der Ortschaft vor kurzem von einer großen Mure zerstört worden und die Aufräumungsarbeiten sind in vollem Gange, was zu einer starten Staubbelastung führt. Nach unserer Rückkehr ins Hotel sieht es wieder nach Regen aus, aber die Niederschläge fallen gering aus.
08.07.2004
Fahrt von Uttarkashi nach Gangodri
Ab Uttarkashi wird die Strasse sehr schmal, so dass bei der Begegnung eines entgegen kommenden Fahrzeuges der Bus jedes Mal anhalten muss. Daher ist eine Durchschnittsgeschwindigkeit von mehr als 30 km/Std kaum möglich. Um 14:00 Uhr sind wir in Gangodrti und hier endet die Strasse. Die kleine Ortschaft ist voll von Pilgern und es ist entsprechend laut. Wir besichtigen die heiligen Stätten und bereiten unsere Ausrüstung für den Anmarsch zum Basislager vor. Am Nachmittag regnet es kurz, aber ansonsten ist das Wetter sehr gut.
09.07.2004
Trekking von Gangodi nach Bojabas
Um 6:00 Uhr ist wecken und zwei Stunden später starten wir mit unserer ersten Etappe zum Basislager. Auf dieser Etappe sind sehr viele Pilger zur der Gletschermaul unterwegs, die noch mal eine halbe Tagesetappe nach Bojabas ist. Der Weg selbst ist sehr gut und so bereitet dieser Tag keine allzu große Anstrengung, was wieder der Akklimatisation sehr entgegen kommt. Um 14:00 Uhr erreichen wir das Ziel und so bleibt noch genügend Zeit auf die umliegenden Berge noch etwas aufzusteigen. Ich komme noch 250 m hoch und kehre dann nach Bojabas zurück. Heute übernachten wir das erste Mal im Zelt. Zum Glück regnet es heute nicht, so dass wir das Zelten auch genießen können. Gleich zu Beginn mit nasser Ausrüstung unterwegs zu sein ist ein Gesundheitsrisiko welches nicht unbedingt sein muss. Das Ziel muss sein, gesund im Basislager anzukommen.
10.07.2004
Trekking von Bojabas nach Nandanban (4400 m)
Bis zum Gletschermaul ist der Weg sehr gut. Ab hier halten wir uns an der im Aufstieg linken Seite des Gletschers und an der Seitenmoräne. An mehreren Stellen ist die Route von Steinschlag bedroht und man muss entsprechende Sorgfalt walten lassen. Nach der Mittagspause muss der Gletscher gequert werden, weil hier der Gletscher vom Satopanth kommend, in den Hauptgletscher mündet. Hier gibt eine steilere Stelle im Eis, die für die Träger mit Stufen versehen werden muss. Danach geht es hoch zur Moräne, hinter der dann unser nächstes Lager steht. Von hier hat man eine einmalige Aussicht, besonders auf den Shivling, der genau gegenüber dem Lager steht. Leider ist er am Nachmittag immer in Wolken, aber am Abend ist er dann doch noch sehr schön zu sehen.
11.07.2004
Ruhetag in Nandanban (4400 m)
Den Ruhetag nutzen wir zur besseren Akklimatisation und jeder steigt noch etwas in die Höhe. Ich steige bis kurz unterhalb des Basislagers auf. Bei 4800 m kehre ich wieder um und gehe gemütlich zum Lager zurück. Am Nachmittag klagt unser Arzt über Höhenprobleme, hofft aber, dass sich das bis zum nächsten Tag noch legt. Wie sich in der Nacht zeigt verschlechtert sich aber sein Zustand. Leider ist der Sauerstoff schon zum Basislager hochgebracht worden so dass Christian und ich an einen sofortigen Abstieg mit dem Kranken denken. Aber in der Nacht ist der Abstieg über den Gletscher auch nicht gerade ungefährlich, so dass wir hoffen erst am nächsten Morgen dann absteigen zu können.
12.07.2004
Trekking von Nandanban zum Basislager
An Schlafen war in dieser Nacht nicht mehr zu denken. Noch in der Morgendämmerung musste der Abstieg unseres Arztes organisiert werden. Zum Glück ist sein Zustand noch so gut, dass er selbstständig absteigen kann. Unser Sirda (leitender Hochträger) übernimmt diese Aufgabe, da der gesamte Rücktransport bis nach Delhi organisiert werden muss. Er begleitet ihn bis nach Uttarkashi und wird uns in den nächsten Tagen bei der Expedition nicht helfen können. Ein nicht zu unterschätzender Nachteil für den weiteren Verlauf der Expedition, da er derjenige ist, der sowohl das Wissen über die Bedingungen am Berg hat, als auch über das zurückgelassene Material von der ersten DAV Gruppe hat.
Der Rest der Gruppe begibt sich nach dem Frühstück auf den Weg zum Basislager. Der Weg führt entlang der Seitenmoräne und die Aussicht von dort ist einmalig schön. Kurz vor dem Basislager muss noch ein kleiner Gletscher gequert werden und der Aufstieg auf der gegenüberliegenden Moräne stellt sich als echte Herausforderung dar. Im trockenen Zustand ist diese Stelle gut machbar jedoch bei Nässe oder gar Schnee richtig gefährlich.
Nach 3 Stunden Gehzeit erreichen wir das Basislager. Nachdem die Zelte aufgestellt sind drängt ein Teil der Teilnehmer auf die Verteilung der Zusatzverpflegung. Obwohl man sich nach erreichen des Basislagers zuerst Ruhe gönnen sollte, werden die schweren Verpflegungs-Seesäcke ausgepackt und die Verpflegung ausgeteilt oder zumindest sortiert. Ich selbst war schon so oft in einer solchen Höhe und mir macht so etwas nichts ausmacht, aber bei einigen Teilnehmern führt das unweigerlich zu Kopfschmerzen. Im Anschluss steige ich zusammen mit Christian bis an die Stelle auf, wo man den Satopanth überhaupt einmal sehen kann. Was wir sahen hat uns nicht gerade ermutigt. Die Aufstiegsspur sah sehr eisig aus und würde uns sicher noch Kopfzerbrechen im Bezug auf die Absicherung geben. Der obere Teil des Berges befand sich in Wolken, so dass wir nur den Teil bis hinauf zum Lager I einsehen konnten.
13.07.2004
Ruhetag im Basislager
Den Vormittag verbringen wir mit der Unterweisung am Certeg Bag und dem Gebrauch des Sauerstoffes, sowie des Inhalts der Hochlager - Apotheke. Am Nachmittag werden die Zelte überprüft und die Ausrüstung für den Aufstieg zum vorgeschobenen Basislager zusammengestellt. Geplant ist, dass für jeweils zwei Personen ein Zelt aufgebaut wird und eine Nacht in diesem Lager verbracht wird.
14.07.2004
Aufstieg zum Vorgeschobenen Basislager
Zusammen mit vier Hochträgern steigen wir bei bestem Wetter hinauf zum Vorgeschobenen Basislager. Der Weg führt zuerst auf der Moräne bis zu dem Punkt wo der Satopanth sichtbar ist. Hier muss dann auf den Gletscher abgestiegen werden. Auf dem Gletscher selbst ist das Vorankommen durch das Geröll mühsam. Aber nach drei Stunden erreichen wir unseren Lagerplatz. Nun gilt es für acht Zelte die notwendige Plattform zu schaffen. Das ist jetzt richtig harte Arbeit und man muss aufpassen, dass man sich nicht gleich verausgabt. Nach einer Stunde ist auch diese Arbeit vollbracht und nun heißt es ausruhen.
Für den kommenden Tag haben wir uns folgenden Plan vorgenommen:
Die Teilnehmer die in der Nacht nicht gut schlafen oder noch mehr Zeit für einen weiteren Aufstieg brauchen, sollen wieder zum Basislager absteigen.
Wer fit ist soll so weit wie möglich aufsteigen und dann zurück zum Basislager gehen.
Christian und ich wollen bis zum Lager I aufsteigen und dort den Weiterweg, als auch das dort von der vorherigen DAV Expedition deponierte Material, inspizieren. Wenn es uns nach erreichen von Lager I noch gut geht wollen wir dort übernachten, sonst aber unser Material dort deponieren und auch in Basislager absteigen. Auch diese Variante wurde den Teilnehmern mit viel Höhenerfahrung freigestellt.
Danach ist ein Ruhetag im Basislager für alle eingeplant.
15.07.2004
Aufstieg vom Vorgeschobenen Basislager in Richtung Lager I
Um 4:00 Uhr ist wecken und um 6:00 Uhr Abmarsch geplant. Christian und ich haben zu dieser Zeit unser Zelt abgebaut und warten auf die anderen. Wir wollen extra früh an der Schlüsselstelle sein da hier mit Steinschlag zu rechnen ist. Mit einer halben Stunde Verspätung verlassen wir das Lager und der Weg führt uns zuerst über den Gletscher. Blankes Eis und viel Geröll und Steinblöcke machen den Aufstieg beschwerlich. Nach zwei Stunden stehen wir am Einstieg. Das was wir dort sehen hatten wir uns so nicht vorgestellt. Der Aufstieg erfolgt im brüchigen Fels und zur linken erhebt sich eine mehrere hundert Meter hohe Felswand die sich bedrohlich über und neigt. Eine nicht gerade einladende Atmosphäre. Das heißt, möglichst schnell, diese gefährliche Passage hinter sich zu bringen. Zu allem Übel haben wir keine Steinschlaghelme dabei, da die notwendige Information im Vorfeld der Expedition nicht vorhanden war. Das lässt sich jetzt nicht mehr ändern und so muss das Beste daraus gemacht werden. Wir legen unsere Kletterausrüstung an und beginnen an den Fixseilen empor zu steigen. Einige Teilnehmer sind mit dem Aufstieg an Fixseilen noch nicht so vertraut und so dauert die Überwindung dieser Passage länger als geplant und immer wieder werden unvorsichtig Steine losgetreten die dann mit lautem Gepolter hinunterfallen und die sich noch unterhalb befindlichen Teilnehmer deshalb sich in Sicherheit bringen müssen. Alles in allem eine sehr ungute Situation aber daran war jetzt im Moment nichts zu ändern. Zwei Hochträger sind schon vorausgegangen und versichern den oberhalb der Felsen steilen Eisaufschwung. Hier müssen 100 m Fixseil nochmals überprüft werden bzw. die Verankerungen erneuert werden. Auch das beansprucht etwas Zeit und so gelangen jetzt die ersten Sonnenstrahlen in die Eisflanke was unweigerlich zu dem ersten Ausschmelzen der Steine führt. Christian und ich haben diese Stelle hinter uns gebracht als das Risiko für die Nachfolgenden zu groß wurde und Christian die anderen Teilnehmer zur Umkehr aufforderte. Bis hier her haben wir vier Stunden für den Aufstieg benötigt. Die zwei Hochträger, Christian und ich machten uns nun auf den Weg zum Lager I. Das Gelände ist nun flacher uns obendrein noch mit Spalten durchzogen, so dass wir gemeinsam am Seil gehen. Der Zeitbedarf von hier zum Lager I wurde von den Hochträgern mit 2 - 3.5 Stunden angegeben. Aber schon nach kurzer Zeit klagt Christian über starke Kopfschmerzen. Wir überlegen was wir tun sollen. Wir gehen noch ein Stück und dann muss sich Christian übergeben. Jetzt ist klar was zu tun ist - der sofortige Abstieg ist angesagt. Die Anzeichen waren aber nicht die wie bei einem Gehirnödem, trotzdem nimmt Christian vorsorglich Cortison. Ich nehme unseren Sauerstoff wieder mit hinunter um für alle Eventualitäten gerüstet zu sein. Während des Abstieges durch die Felspassage verschlechtert sich sein Zustand weiter. Christian möchte jetzt aber keine weiteren Medikamente nehmen bis er wieder am Einstieg angelangt ist. Dort gebe ich ihm nochmals Cortison und eine Sauerstoffdusche von 8 l /min. Der Sauerstoff hilft im, aber bei einer Rücknahme auf 4 l /min verschlechtert sich sein Zustand wieder. Wir steigen langsam zum Vorgeschobenen Basislager ab. Zum Glück handelt es sich normales Gehgelände und wir kommen recht gut voran, geben aber vorsichtshalber nochmals eine weitere Cortison Tablette. Im Vorgeschobenen Basislager bekommt er nochmals Sauerstoff und ein extrem starkes Schmerzmittel gegen die Kopfschmerzen. Wir steigen weiter ab zum Basislager und kommen dort um 16:00 Uhr an. Christians Situation verbessert sich. Jedoch hat das Schmerzmittel nicht gewirkt und die Sauerstoffsättigung lag mit 82% im durchaus üblichen Rahmen. Am Abend klagt Christian über Gefühlsstörungen in Armen und Beinen, aber alle Dinge die wir mit unseren Mitteln kontrollieren können sind in Ordnung. Wir bieten ihm an, ihn in den Certec Bag zu legen, was er allerdings ablehnt. In der Nacht bleiben wir in permanentem Kontakt und es geht ihm wieder recht gut.
16.07.2004
Ruhetag im Basislager
Am frühen Morgen entscheidet sich Christian für den sofortigen Abstieg. Ich biete ihm an mit ihm abzusteigen oder zumindest jemand mit ihm mitzuschicken. Er meint, ihm geht es gut, nur die Gefühlsstörungen in den Händen und Füssen sind noch vorhanden und das beunruhigt ihn doch sehr. Er beauftragt mich vor seiner Abreise mich um die Expedition zu kümmern und das weitere Vorgehen mit allen Teilnehmern abzustimmen.
Diese Abstimmung kam dann nach dem Frühstück. Die Stimmung nach dem gestrigen Tag war schlecht und so war fast schon abzusehen, wie eine Abstimmung ausfallen würde. Es kommt dann wie es kommen musste. Nur vier Teilnehmer inklusive mir wollen die Expedition fortführen und der Rest entscheidet sich für abbrechen. Das Argument, dass ein Teil der Mannschaft macht weiter und der andere Teil beendet die Expedition wurde strikt abgelehnt.
Es wurde darauf bestanden, dass auch diejenigen Teilnehmer welche eigentlich die Expedition weiter machen wollen sich der Mehrheit unterordnen müssen.
Auch meine Hinweise, ob das nach dem Reiserecht überhaupt möglich ist, dass eine Mehrheitsentscheidung einen individuellen Vertrag außer Kraft setzen kann wurden ignoriert. Die Stimmung war aber kurz vor einem offenen Streit und so beugte ich mich zähneknirschend dieser Entscheidung. Auch mir war klar, dass mit einer solchen Stimmung keine Zusammenarbeit am Berg mehr möglich ist.
Christian hatte ein Funkgerät mitgenommen und so teile ich ihm die Entscheidung der Gruppe mit und bitte ihn die Rückflüge nach Möglichkeit um eine Woche auf den 25.07.2004 vorzuverlegen, so wie es der Wunsch der Mehrheit war. Die Funkverbindung war jedoch sehr schlecht, so dass ich nicht sicher war, ob Christian alles verstanden hat.
Morgen ist nochmals ein Aufstieg zum vorgeschobenen Basislager geplant um dort das verbleibende Material abzuholen. Schon hier bedurfte es einiger Überredungskunst dass noch mal alle aufsteigen, diejenigen die am Morgen noch lautstark für einen Abbruch waren hatten keine richtige Lust mehr aufzusteigen. Jedoch ist auch ein Abbruch mit weiteren Aufgaben verbunden und der Berg musste noch gesäubert werden.
Auch die Hochträger wollen mit aufsteigen um in den nächsten Tagen das Material von Lager I herunterzubringen.
17.07.2004
Aufstieg zum Vorgeschobenen Basislager
Gemeinsam steigen wir um 8:00 Uhr zum vorgeschobenen Basislager auf. Als wir an die Stelle kommen wo der Satopanth sichtbar ist, behindert keine Wolke die Sicht auf den Berg. Ein schöner Berg mit einer klassischen Aufstiegsroute. Anspruchsvoll und eine echte Herausforderung für einen erfahrenen Expeditionsbergsteiger. Mir tat es in der Seele weh, wenn ich daran denke, dass schon alles vorbei ist bevor wir richtig angefangen haben. Was haben wir eigentlich am Berg gemacht? Nach vier Stunden Aufstieg vom Vorgeschobenen Basislager war für die überwiegende Mehrheit klar, dass das nicht der richtige Berg für sie ist. Aber vielleicht besser jetzt die Entscheidung zu treffen und alle kommen wieder gesund nach Hause als dass wegen einer Selbstüberschätzung ein Unfall passiert. Warum die Mehrheit aber von den Ansprüchen dieses Berges so überrascht wurde, ist für mich nur auf die mangelnde Erfahrung an hohen Bergen zurückzuführen. Andere 7000er wie der Kan Tengri, Pik Korschenewskaja befinden sich hier auf ähnlichem Schwierigkeitsniveau.
Am Nachmittag entscheidet die Mehrheit, dass ich morgen zusammen mit dem Begleitoffizier absteige und mich um die Umbuchung der Flüge kümmere bzw. noch ein alternatives Besichtigungsprogramm auf die Beine stellen soll.
Ich packe daher meine Habseligkeiten zusammen und verpacke sie in meine Seesäcke.
18.07.2004
Trekking vom Basislager nach Gangordri
Am frühen Morgen schneit es zuerst und später geht es in Regen über. Aus diesem Grund verschieben wir unseren Aufbruch bis sich das Wetter gebessert hat. Zuerst geht es bis 4400 m entlang der Moräne und der Gletscher muss gequert werden. Diese Stelle ist in der Zwischenzeit richtig heikel geworden und ich bin froh, dass der Begleitoffizier einen Pickel dabei hat und wir damit Stufen in dem steilen Eis anlegen können. Der Weg zieht sich und wir legen an der Geltscherzunge eine Pause ein. Von hier sind es noch 20 km bis Gangotri. Wir bekommen langsam Plattfüße. Gegen 18:00 Uhr erreichen wir unser Ziel und haben heute Nacht wieder die Gelegenheit in einem Bett zu schlafen.
Wir treffen die Träger die unser Material vom Basislager abholen sollen und erteilen ihnen noch die letzen Instruktionen. Sie steigen morgen auf um rechtzeitig unser Gepäck bis zum 21.07.2004 um 12 Uhr in Gangodri zu haben. Das haben wir zuvor telefonisch mit der Welcome Tavel Agentur ausgemacht und da soll unser Bus hier in Gangodri stehen. Die erste Hürde ist somit genommen und unsere frühzeitige Rückreise nach Delhi sichergestellt.
19.07.2004
Fahrt von Gangodri nach Uttarkashi
Den ganzen Vormittag warten wir bis wir ein Taxi nach Uttarkashi bekommen. Gegen 11:00 Uhr ist es dann soweit und wir fahren mit einem voll besetzten Taxi zurück. Das Wetter ist sehr schön und wir genießen die Fahrt. Um 16:00 Uhr sind wir in Uttarkashi und gehen in dem gleichen Hotel wie bei der Anreise. Der Begleitoffizier und ich teilen sich ein Zimmer und unterhalten uns am Abend noch sehr lange. Wir verstehen uns in der Zwischenzeit schon sehr gut und so sind die Unterhaltungen sehr angenehm.
20.07.2004
Aufenthalt in Uttarkashi
Nach dem Frühstück fahre ich mit dem Begleitoffizier zum Alpinzentrum der IMC und wir berichten dem leitenden Offizier den Verlauf der Expedition. Er bestätigt meinen Eindruck vom Berg, dass es kein Berg ist den man unterschätzen darf. Aber nach seiner Meinung sind in diesem Jahr sehr gute Bedingungen für eine Besteigung. Wir hatten uns bereits 2001 am Mount Everest kennen gelernt und waren gemeinsam am Berg unterwegs. Demzufolge war das Unverständnis über den Abbruch der Expedition an diesem Berg umso größer.
Am späten Nachmittag trifft unser Bus von Delhi kommend in Uttarkashi ein und will morgen weiter nach Gangodri fahren.
21.07.2004
Aufenthalt in Uttarkashi
Das Wetter ist wunder schön aber das Warten nervt und ist unangenehm. Wir schlagen den Tag tot und warten bis die Teilnehmer am Abend eintreffen. Als diese dann eintreffen gibt es kein Hallo wie man es üblicherweise erwarten würde, sondern sie haben mir in der Abwesenheit die Schuld für den Misserfolg in die Schuhe geschoben. Es ist ja immer schnell ein Schuldiger gefunden, besonders wenn man selbst nicht anwesend ist. Aber es ist heute ja modern, erst bei andern die Fehler zu suchen, als bei sich selbst.
22.07.2004
Rückfahrt nach Delhi
Der erste Teil der Fahrt ist noch angenehm, da die Temperatur noch nicht so hoch ist. Je näher wir Delhi kommen umso drückender ist die Temperatur und zum guten Glück springt der Motor für die Klimaanlage im Bus nach mehreren Versuchen wieder an. Improvisation ist einfach alles. Am späten Abend kommen wir in Delhi an und wir werden im Maidens Hotel untergebracht. Dieses Hotel wurde noch zur Kolonialzeit der Engländer erbaut und dementsprechend ist die Zimmerhöhe gewaltig.
Vor dem Hotel wird gerade die U-Bahn Station gebaut. Für eine solch große Stadt in absolutes Muss, da sonst die Verkehrsprobleme in der Zukunft nicht gelöst werden.
23.07.2004
Debriefing bei der IMC und Stadtrundfahrt
Am Morgen gehe ich mit dem Begleitoffizier zur IMC um die Expedition offiziell zu beenden. Hier habe ich Karen, die Leiterin einer Trekkinggruppe des DAV Summit Clubs getroffen. Irgendwie kam sie mir aber bekannt vor und wir stellten fest, dass wir zusammen am Pik Korschenewskaja und Pik Kommunismus waren. Wie klein ist doch die Welt der Expeditionsbergsteiger, überall trifft man bekannte Gesichter wieder. Am Nachmittag machen wir mit dem Bus eine Stadtrundfahrt und es ist beeindruckend wie unübersichtlich und überbevölkert die Stadt ist.
24.07.2004
Fahrt von Delhi nach Agrar
Nach dem Frühstück steigen wir wieder in den Bus um die siebenstündige Fahrt nach Agra zu beginnen. Gute zwei Stunden benötigen wir bis wir die Vororte von Delhi hinter uns lassen. Dann ändert sich die Landschaft und wir befinden uns in einer grossen landwirtschaftlich genutzten Fläche. Am späten Nachmittag erreichen wir dann Agra und nach dem Bezug des Hotels machen wir uns auf zur Besichtigung des Agra Forts. Eine riesige Festungsanlage in der einmal bis zu 20 000 Menschen gelebt haben. In der Abendsonne war auch die Stimmung passend, zu den roten Steinen, aus denen das Fort erbaut wurde. Später bin ich noch sehr lange mit der DAV Summit Club Trekking Gruppe in der Bar gesessen und wir habe viel Spaß miteinander gehabt.
25.07.2004
Taj Mahal und Rückreise
Nach dem Sonnenaufgang besichtigen wir das einmalig schöne Taj Mahal. Eine Anlage aus weißem Marmor. die einmalig in der Welt ist, und die den damaligen Herrscher an den Rand es Ruins gebracht hat. Die Beleuchtung ist in den frühen Morgenstunden besonders schön. Nachdem wir diese Anlage besichtigt haben, machen wir uns wieder auf den langen Rückweg. In Delhi gibt es nochmals ein Abendessen bevor wir zum Flughafen gebracht werden und unseren Heimflug antreten.
Satopanth Tagebuch Teil 2
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