Makalu Tagebuch Teil 1
Abreise
Die Reise beginnt am 02. April 2000 mit dem Flug von Frankfurt nach Kathmandu.
Gegen 20 Uhr treffen Peter, Bernd und ich uns beim Royal Nepal Airlines Schalter.
Nach herzlicher Begrüßung und Begutachtung unseres umfangreichen Gepäcks geben wir dieses am Fluglinien- Schalter auf und stoßen danach die mit Sekt gefüllten Gläser auf ein gutes Gelingen der Expedition an.
Mit 15 Minuten Verspätung heben wir um 23:45 Uhr von Frankfurt ab und lassen nun die ganze hektische Vorbereitungszeit hinter uns.

Vorbereitung
So ganz nebenbei waren dann noch viele Besorgungen für die Expedition zu tätigen. Ob es sich um Bekleidungsstücke oder um die Fotoausrüstung handelte, nichts war sofort lieferbar und die Zeit bis zur Abreise wurde immer kürzer. Auch die Expeditionspostkarten und die Trekkingschuhe, die wir von Sponsoren bekommen haben, sind nur wenige Tage zuvor bei uns eingetroffen.

Kommunikationsanlage
Drei Tage vor der Abreise bestellte ich noch einen Organizer, mit dem ich über unser Satellitentelefon E-Mails versenden wollte. Mit allen zur Verfügung stehenden Mittel ist der Organizer dann gerade noch rechtzeitig vor der Abreise eingetroffen. Das Handbuch konnte in der Kürze der zur Verfügung stehenden Zeit jedoch nicht mehr gelesen und die Hard- und Software nicht mehr getestet werden.
Ankunft in Nepal
Jetzt im Flugzeug lagen all die Dinge hinter mir und ich ließ die letzten Monate noch einmal in Gedanken an mir Vorüberfliegen. Nun gilt es, sich auf die bevorstehende Expedition zu konzentrieren. Leichter gesagt als getan, denn viele Gedanken gehen mir jetzt noch durch den Kopf und lassen mich nicht so schnell zur Ruhe kommen.

Aber dann ist der Flug vorbei und wir stehen im Flughafengebäude von Kathmandu. Zuerst müssen wir noch ein Visum beantragen, was aber in wenigen Minuten erledigt ist. Beim Abholen unseres Gepäcks gibt es dann bereits die ersten Schwierigkeiten, denn ein Gepäckstück von Bernd ist nicht auffindbar. Wir stellen einen Nachforschungsantrag und fahren dann zu unserem Hotel in die Innenstadt.
Peters Satelliten-Telefon war bei seinem letzten Besuch im Januar dieses Jahres in Nepal geblieben. So war die Spannung natürlich sehr groß, ob die Kommunikation zwischen Telefon und Organizer klappen würde. Wie nicht anders zu erwarten, klappt sie natürlich nicht! Der Grund war, dass ich nur ein Kabel für den Modemausgang des Organizers zum Eingang eines Telefon/Fax-Steckers dabei hatte, das Telefon selbst aber ein eingebautes Modem hat und dieses über eine serielle Schnittstelle zu bedienen ist. Da der Organizer jedoch keinen standardisierten seriellen Anschluss besitzt, war vor Ort auch kein Kabel zu organisieren. Nur wenige Meter vom Hotel entfernt befindet sich ein Internet Café von dem aus versuche ich, das Originalkabel aus Deutschland zu bekommen. Bereits am nächsten Tag sollte es in Richtung Nepal verschickt werden und ich würde es noch vor unserem Flug ins Basislager erhalten.
Den nächsten Tag verbringen wir in Kathmandu und ich nutze die Zeit, um die vielen Grußpostkarten an Freunde, Kollegen und Sponsoren zu schreiben. Am späten Nachmittag will ich dann die Postkarten auf dem Postamt abgeben, welches aber bereits geschlossen hatte. So kommen die Postkarten mit zum Ausflug ins Basislager.
Akklimatisationstour
In den nächsten 10 Tagen steht eine Akklimatisationstour zum Kalapattar (5545 m) im Khumbu Himal auf dem Programm. Der Kalapattar ist der beste Aussichtspunkt zum Everest, Lhotse und Nuptse.

Mit einer Twinotter-Maschine fliegen wir von Kathmandu nach Lukla (2850 m) und wandern dann noch bis Phakdin (2652 m). Hier verbringen wir die kommende Nacht.

Am nächsten Tag erreichen wir Namche Bazar (3440 m), wo wir bei Peters Schwiegereltern untergebracht sind. Auch in Namche Bazar gibt es ein Internet Café und ich erkundige mich von hier aus erneut über den Verbleib des seriellen Kabels und schicke meinen Freunden einen kurzen Expeditionsbericht.

Vorbei am Everest View Hotel geht es am 3. Tag nach Tyangbuche (3870 m); hier besichtigen wir am Nachmittag noch das beeindruckend schöne Kloster.

Der 4. Tag bringt uns dann bis nach Dingbuche (4390 m) das bereits etwas abseits des Trubels liegt. Am 5. Tag erreichen wir dann unsere höchste Schlafhöhe in Lobuche im 8000 Inn (5050 m).



Von hier aus gehen wir am nächsten Morgen zum Kalapattar (5545 m) hinauf, um die Aussicht zum Everest bei wolkenlosem Himmel zu genießen. Bereits nach wenigen Stunden ist die Sicht jedoch durch aufziehende Wolken stark eingeschränkt und einsetzender Schneefall ermahnt uns, möglichst schnell zum Hotel zurückzukehren.

Der 7. Tag steht nochmals ganz im Zeichen der Akklimatisation und wir steigen unweit vom Hotel auf eine 5600 m hohe Anhöhe, um dann tags darauf direkt von hier hinunter nach Namche Bazar abzusteigen. Dort sind wir dann 2 Nächte bei Peters Schwiegereltern untergebracht.


Im Internet Café schaue ich nach neu eingegangenen E-Mails. Tatsächlich ist die Bestätigung über das Eintreffen des seriellen Kabels für den Organizer in Lukla, von wo aus wir am 15.04.2000 per Hubschrauber ins Basislager fliegen wollen mit dabei.
Der Rückweg von Namche Bazar nach Lukla ist unproblematisch. Nur am Nachmittag stellte sich Dauerregen ein und es ist nicht sicher, ob der für morgen geplante Flug überhaupt stattfinden kann. Wir beladen den Hubschrauber am späten Nachmittag mit unserem Gepäck und hoffen auf eine Wetterbesserung bis zum nächsten Morgen. In der Zwischenzeit versuche ich die Verbindung zwischen Telefon und Organizer mit dem seriellen Kabel zustande zu bringen, aber leider ohne Erfolg, da das Kabel erneut nicht passt. Ein entsprechender Adapter, den es bei uns in jedem Computerladen gibt, ist hier in Lukla natürlich nicht erhältlich, und somit war der ganze Aufwand umsonst.

Ankunft im Basislager
Der Hubschrauberflug findet am nächsten Morgen wie geplant statt. Viele Wolken während des Fluges lassen die Aussicht auf ein Minimum sinken. Den Makalu sehen wir leider nicht. Nach 30 min. Flugzeit landet der Hubschrauber in einer Einöde, in der weit und breit keine Menschenseele zu sehen ist.

Nachdem wir das Gepäck ausgeladen haben, winken wir dem Piloten zu und dann entschwindet der Hubschrauber. Kurz darauf kommen zwei Nepalesen, die einer Sächsischen Himalaya Expedition angehören und erklären uns, dass ihr Basislager 30 Gehminuten von hier entfernt ist. Jeder nimmt sich so viel Gepäck wie er tragen kann und geht zu diesem Lagerplatz. Ein hügeliger und mit kurzem Gras bewachsener Platz begeistert uns und wir entschließen uns, unser Basislager auch hier aufzubauen. Jeder von uns macht noch zwei weitere Materialtransporte an diesem Tag. Die bei den Sachsen beschäftigten Nepalesen tragen uns den noch verbleibenden Rest der Ausrüstung zum Lager.
Nach 5 Stunden harter Arbeit ist unser Basislager in 4800 m aufgebaut und entsprechend eingerichtet.

Unseren ersten Tag im Basislager nutzen wir zur Erkundigung des Weges zum vorgeschobenen Basislager. Mühsam zieht sich der Weg zuerst auf der, in Fliessrichtung des Gletschers, linken Seitenmoräne des Barun Gletschers bis auf 5100 m hinauf.

Dann wird der tief unter uns liegende Gletscher gequert, um auf der gegenüberliegenden Seite bis zur Einmündung des Chago Gletschers aufzusteigen. Bis auf 5400 m steigen wir in einem beschwerlichen Blockgelände hinauf und können zwar den Gletscherbruch hinter dem vorgeschobenen Basislager sehen, das eigentliche Lager aber ist nicht sichtbar. Wir kehren nun wieder zum Basislager zurück und werden von unserem Koch Hale Passang Sherpa mit einem super Essen empfangen.
Den nächsten Tag nutzen wir, um die Ausrüstung für die Hochlager zusammenzustellen. Da sind die Zelte zu kontrollieren, die Kocher sowie die dazugehörigen Gaskartuschen abzuzählen, je nach Geschmack die Verpflegung auszusuchen, Fixseile und Firnanker bereitzustellen und das alles in entsprechende Lasten aufzuteilen.

Dann kommt noch die persönliche Ausrüstung wie Bekleidung, Schlafsack, Liegematte, Getränke usw. hinzu und zum Schluss gibt das einen überdimensional großen Rucksack, der erst einmal getragen werden will. Zum Glück haben wir da noch unseren Hochträger Nima Nuru Taktokpa, der uns einen Teil der Last abnimmt, sonst würden wir in unserem nicht akklimatisierten Zustand überhaupt nicht vorwärts kommen.
Einrichten der Hochlager
Am frühen Morgen des 18. April findet vor unserem Abmarsch vom Basislager in Richtung vorgeschobenes Basislager ein Pusha (ein Ritual) statt, um die Berggötter gnädig zu stimmen.
Für den sehr beschwerlichen Aufstieg im Blockgelände benötigen wir 4 Std. und befinden uns dann auf einem ebenen Platz vor dem Eisbruch des Chago Gletschers. Um einen kleinen Gletschersee in 5600 m Höhe sind die Lager einer koreanischen und einer italienischen Expedition angeordnet.

Die Koreaner sind seit 10 Tagen hier und haben bereits den Aufstieg zum Lager I in 6500 m und den Weiterweg zum Lager II in 7400 m Höhe mit der Unterstützung von Hochträgern mit Fixseilen versichert. Die italienische Expedition ist erst vor einem Tag hier eingetroffen und ist noch mit dem Einrichten des Lagers beschäftigt. Wir stellen hier auch zwei Zelte auf und erkunden dann den weiteren Aufstieg.
Am nächsten Morgen bringen wir dann die notwendige Ausrüstung für das Lager I bis zu einem Depot in 6000 m Höhe hinauf. Der Weg zum Depot verläuft immer noch im Schutt und Blockgelände, so dass wir die Strecke mit Trekkingschuhen zurücklegen können.

Von hier aus ist das Lager I der Koreaner, das auf einem Eisbalkon steht, gut sichtbar. Auch die Fixseile, die in einer steilen Rinne oberhalb des Lagers bis hinauf zum Makalu-La in 7400 m Höhe verlegt wurden, sind zu erkennen. Wir deponieren unsere Ausrüstung hier und steigen wieder hinunter zum vorgeschobenen Basislager, wo wir die kommende Nacht verbringen.

Am 20. April erfolgt dann der Aufstieg, vorbei an unserem Depot, bis zum Lager I in 6500 m. Mit der Ausrüstung aus dem Depot gestaltet sich der Weiterweg über mehrere Steilaufschwünge im Gletscher sehr anstrengend. Die vorhandenen Fixseile erleichtern zwar den Aufstieg, aber wir benötigen doch 4 Std. für die 900 Höhenmeter vom vorgeschobenen Basislager bis zum Lager I hinauf. Weitere 2 Std. vergehen mit der Herstellung der Zeltplattformen und dem Aufstellen der Zelte. Bis dann genügend Wasser gekocht wurde, beginnt es bereits zu dämmern.

Die Aussicht wird durch die in der Zwischenzeit aufgezogenen Wolken stark beeinträchtigt, so dass der Mount Everest und der Lhotse leider nicht zu sehen sind. In der Nacht wird dann der Wind erheblich stärker und wir werden durch das Flattern der Zelte um unseren Schlaf gebracht. Die eisigen Temperaturen am nächsten Morgen vereiteln einen weiteren Aufstieg, so dass wir von hier oben direkt bis ins Basislager absteigen, um dort erst einmal ein paar Ruhetage einzulegen.
In den nächsten drei Tagen schneit es häufig, so dass zunächst an keinen weiteren Aufstieg zu denken ist. In dieser Zeit versuche ich mit dem auf dem Organizer vorhandenen Faxprogramm wenigstens ein Fax über das Satellitentelefon zu verschicken. Die entsprechende Hardware wie Modem und Kabel habe ich ja.

Aber leider erkennt das Faxprogramm das Modem nicht und nach einem Telefonat mit der Heimat stellt sich heraus, dass das Problem bekannt ist und dafür ein Update im Internet vorhanden ist. (Wohl bemerkt bei einem nagelneuen Gerät.) Das ist zwar in Deutschland kein Problem, aber hier im Basislager habe ich keine Möglichkeit dieses Update herunter zu laden. Das Resümee für mich kann nur sein, dass zukünftig alles bis aufs Kleinste vorher getestet werden muss, damit sowohl Hardware als auch Software zusammen spielen.
Ostern
Am 23. April ist dann Ostern und ich habe bereits am Samstagabend einige Ostereier bemalt, so dass wir diesen Morgen wenigstens etwas österlich gestalten können.

Am 25. April steigen wir dann wieder zum vorgeschobenen Basislager hinauf. Bei dem jetzigen Aufstieg wollen wir bis hinauf zum Makalu La (7400 m) und dort unser Lager II einrichten. Nach der Ankunft im vorgeschobenen Basislager besuchen wir zuerst die koreanische Expedition und sprechen mit ihnen über die Nutzung der von ihnen angebrachten Fixseile. Nach einigem Hin und Her dürfen wir die Seile in der Zeit benutzen, in der die Koreaner am Berg sind. Danach wollen sie die Seile entfernen, da sie anschließend noch zur Shisha Pangma (8064 m) fahren und sie dort die Seile wieder benötigen. Da das für uns einen riesigen Zeitverlust bedeuten würde, bieten wir unsere Seile zum Austausch an, aber unser Angebot findet im Moment noch nicht den richtigen Anklang. Vorerst sind wir aber mit dieser Lösung zufrieden.

Der in den letzten Tagen gefallene Schnee erschwert den Aufstieg erheblich. Sowohl die verschneiten Felsplatten bis zum Depot, als auch der tiefe Schnee auf dem Gletscher fordern doch einiges an Kraft und wir sind froh, als wir endlich das Lager I erreichen.Bereits am frühen Nachmittag verschwinden die umliegenden Berge in den Wolken und es beginnt wieder zu schneien.

Am Abend steigert sich dann der Wind noch zum Sturm und wir kommen die ganze Nacht über kaum noch zum Schlafen. Bis zum Morgen hat sich der Sturm dann zwar wieder etwas gelegt, aber es ist jetzt bitterkalt und so beschließen wir, dass wir sofort wieder ins Basislager absteigen und dort bessere Bedingungen abwarten.
Wettervorhersage für den Gipfelversuch
Nach der Ankunft im Basislager erkundigen wir uns bei Dr. Karl Gabl in Innsbruck über die weitere Wetterentwicklung. Die Aussichten sind alles andere als gut. Die nächsten Tage soll der Höhensturm weiter mit 140 km/Std. wehen und es kommen weitere Tiefausläufer auf uns zu. Wir sollen am 30. April wieder anrufen und dann wird uns Dr. Karl Gabl über die voraussichtliche Wetterentwicklung informieren.

Auch die erneute Vorhersage begeistert uns nicht gerade. Bis zum 5. Mai soll es windig und unbeständig sein. Erst dann soll sich ein Zwischenhoch einstellen, das uns eine Chance für den Aufstieg gibt. So planen wir unseren nächsten Aufstieg für den 3. Mai.
Makalu Tagebuch Teil 2
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